
Glinde. Zum 111. Mal haben die Streiter gegen die rechte Gesinnung Stellung bezogen. Foto: Langbein
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Die Demonstranten wollen weitermachen, bis das Geschäft schließt
Seit fast vier Monaten: täglich Mahnwache
Glinde (nil) - Wenige Minuten vor 17 Uhr fällt auf dem Bürgersteig am Glinder Berg der Startschuss. Zwei Männer stellen einen weißen Pavillon auf, legen eine Lampe in die Mitte des Kunststoffdachs, hängen Plakate auf und warten auf ihre Mitstreiter. Die Mahnwache nimmt ihre Form an - wie jeden Tag. Heute ist es genau der 111. Tag, dass sie ihren Protest gegen das Textilgeschäft Tonsberg kundtun. In dem Geschäft gibt es vorrangig Mode der Marke "Thor Steinar", die eines der Merkmale der neonazistischen Szene ist. Im Geschäft gehen zeitgleich mit dem Auftreten der Mahnwache die Jalousien herunter. "Das ist jeden Tag so", sagt Johannes Ratzek. Er ist, so oft es seine Arbeit zulässt, dabei und hat die Medienarbeit übernommen. "Jetzt im Winter treffen wir uns hier erst um 17 Uhr", sagt der Glinder. Ansonsten sei Beginn um 16 Uhr, das Ende um 19 Uhr. "Es sei denn, das Geschäft macht eher zu." Zu Beginn und Ende läuteten im Übrigen die Glocken der beiden nahegelegenen Kirchen. Und der Pastor komme auch gleich, er sei regelmäßig dabei. Langsam wird es kalt, richtig kalt. Es gibt Gummimatten, damit man nicht direkt auf dem Boden steht. Heißer Tee steht auch bereit. "Mir macht die Kälte nichts aus", sagt Ratzek und liefert die Begründung gleich dazu: "Ich habe einen Hund." Mit dem müsse man bei jedem Wetter raus. Die Lampe leuchtet und die Streiter gegen die rechte Gesinnung stehen beieinander und reden. "Hier treffen Menschen aufeinander, die sich ansonsten nie angesehen hätten", sagt der Glinder. Doch so unterschiedlich die Menschen sein mögen, die es täglich zur Mahnwache zieht, so haben sie doch ein Ziel: Es soll in Glinde keine rechte Szene geben. Für Johannes Ratzek ist es ein Muss, seine Meinung zu sagen. Er erinnert sich an seinen eigenen Geschichtsunterricht und die vielen Gespräche mit den Mitschülern. "Wir haben damals immer gesagt, wenn wir mal mitbestimmen dürfen, stehen wir für Demokratie", sagt er. Das bedeute, er sei gegen alles was ganz rechts und ganz links sei. Zum "Hupen gegen rechts" darf die Mahnwache nicht mehr aufrufen. Das hat die Polizei verboten. Manche machten es trotzdem noch, erzählen sie. Viel Kundschaft kommt eh nicht mehr, wenn die Streiter gegen die rechte Gesinnung Posten bezogen haben. "Wenn wir kommen, beginnen die Verkäuferinnen zu telefonieren. Vermutlich sagen sie zumindest den bekannten Kunden Bescheid", berichtet einer. Doch ab und an käme die Mahnwache auch tagsüber. Das treffe die Verkäufer und Kunden unverhofft. Die Kundschaft werde zunehmend aggressiver, erzählen die Teilnehmer der Mahnwache. Neulich habe jemand aus dem Auto heraus das Kopf-ab-Zeichen in ihre Richtung gemacht. Zu anderen Kunden, die bedrohlich wirkend auf sie zugekommen seien, hätten sie gesagt, die Polizei sei verständigt. Daraufhin seien die Männer im Laufschritt zum Auto und mit quietschenden Reifen losgefahren. Einige von der Mahnwache sind als Zeugen geladen. Kurz nach der Eröffnung des Geschäfts habe ein Kunde die Leute von der Mahnwache mit dem Hitlergruß begrüßt. Das ist verfassungsrechtlich verboten und kommt im April vor Gericht. Die Mahnwache will weitermachen, bis das Geschäft "Tonsberg" schließt. Egal wie lange das dauern wird. Für alle steht fest, dass sie nicht aufgeben werden. Auf einem der Plakate steht: "Naziladen in Glinde. Nein danke. Nazis raus." Das ist die Devise. Denn: Glinde ist bunt und nicht braun.
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